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Die Familie Albrecht
Die Tradition des Musizierens in der Familie Albrecht war älter als ihr Aufenthalt im Haus auf der Kapitulská. Das familiäre Pflegen der Kammermusik gehörte zum unverzichtbaren Bestandteil des Lebens der gebildeten Bratislavaer Bürgergesellschaft. Musik erklang selbstverständlich und regelmäßig zum Beispiel in der Familie Jurenák (beim Onkel von Margaréta Albrecht – der Ehefrau Alexanders), die persönliche Kontakte zu Brahms und Wagner pflegte, ebenso wurde stets in der Familie Riegel musiziert (bei der Tante von Margaréta Albrecht), wo etwa auch das Böhmische Quartett zu Gast war, sowie in der Familie Lehner (bei der Schwester von Margaréta Albrecht) und bei vielen anderen.
Selbstverständlich – und umso intensiver, da es sich um eine Musikerfamilie handelte – wurde auch in der Wohnung der Albrechts musiziert, die zunächst in der Lodná Nr. 12 und später, nach dem Zweiten Weltkrieg, in der Kapitulská Nr. 18 (heute Nr. 1) wohnten. Die Familie Alexander Albrechts besuchten regelmäßig der Wiener Dirigent Rudolf Nilius, der Bariton Elemér John, der Dirigent Ladislav Holoubek, die Komponisten Mikuláš Schneider-Trnavský, Emanuel Maršík, Iša Krejčí, die Kritiker Ivan Ballo, Gustáv Koričánsky, der Dirigent und Cellist Ľudovít Rajter, der junge Eugen Suchoň, Štefan Németh-Šamorínsky und viele andere. Häusliches Kammermusizieren war ein selbstverständlicher Bestandteil jedes Besuchs.
Ján Albrecht übernahm nach dem Tod des Vaters das häusliche Musizieren und entwickelte es als etwas, das untrennbar zu einer edlen Art der Freizeitgestaltung gehörte, und verband es später mit seinem Beruf als Lehrer für Kammermusik mit Schwerpunkt auf der Musik früherer Jahrhunderte (dieses Fach begann er 1967 an der VŠMU zu unterrichten). Als die neue Schulleitung nach dem Abgang Ota Ferenczys vom Rektorenposten der VŠMU kein Interesse mehr am Erhalt des Wahlfachs „Alte Musik“ hatte, verlegte Ján Albrecht die eifrigsten Studenten seiner Klasse in sein Haus auf der Kapitulská. Das war der Impuls zur Entstehung des Kreises der Freunde der Alten Musik, aus dem sich allmählich Musica aeterna herausbildete – das erste Ensemble, das sich programmatisch und professionell der Alten Musik in der Slowakei widmete.
1885 Arad – 1958 Bratislava

Alexander Albrecht (1885 Arad – 1958 Bratislava) – Komponist, Dirigent und Pädagoge – erhielt seine ersten musikalischen Kenntnisse beim Bratislavaer Domorganisten Karl Forstner. Während seines Studiums am Königlich Ungarischen Katholischen Gymnasium (heute Sitz der Universitätsbibliothek in der Klariská-Straße in Bratislava) lernte er Béla Bartók und Ernő Dohnányi kennen. In den Jahren 1904–1908 studierte er an der Musikakademie in Budapest – Komposition bei Hans Koessler, Klavier bei István Thomán und Béla Bartók, Dirigieren bei Franz Szandtner und Kammermusik bei David Popper. Parallel dazu absolvierte er in Budapest ein Jurastudium.
Ab 1908 war er Organist am Martinsdom in Bratislava, 1921 wurde er Dirigent des Kirchenmusikvereins am Martinsdom und Direktor der Städtischen Musikschule. Er hatte unbestreitbare Verdienste um die Steigerung der interpretatorischen Qualität des Vereins und um die Aufführung von Werken der Musik des 20. Jahrhunderts sowohl im Rahmen der Gottesdienste als auch bei öffentlichen Konzerten. Alexander Albrecht bekleidete beide Ämter bis zur Auflösung des Vereins bzw. der Schule 1942 beziehungsweise 1952. Durch sein pädagogisches Wirken im Haus des Regenschori, zunächst in der Lodná 12 und später in der Kapitulská 1, beeinflusste er den beruflichen Werdegang zahlreicher slowakischer Komponisten und Interpreten der jungen Generation.
Albrecht gehörte zu den ersten Komponisten des 20. Jahrhunderts aus dem Gebiet der heutigen Slowakei, dessen Musik auch im Ausland Resonanz fand. Seine Sprache und sein Stil gingen von der deutschen romantischen Tradition aus (Brahms, Reger), später bereicherte er sie um Elemente des Impressionismus und Expressionismus. Er war ein Synthetiker mit einem besonderen Gespür für Form, die durch variative Entwicklung aufgebaut wurde.
Einen zentralen Bereich seines Schaffens stellt die Kammermusik dar (Klavierquintett, Streichquartett D-Dur u. a.) sowie das Liedschaffen (Rosenzeit, A szépség himnusza, Drei Gedichte aus dem Zyklus Das Marienleben u. a.). Das Schaffen der Jahre 1925–45 verrät eine Hinwendung bis hin zur Atonalität und zu den Idealen der Neuen Sachlichkeit (Sonatine für 11 Instrumente, Tobias Wunderlich, Cantate Domino u. a.). Die letzte Schaffensperiode (1946–1957) ist geprägt von einer Vereinfachung der Sprache, einer Hinwendung zum Neoklassizismus und folkloristischen Elementen (Variationen, Šuhajko, Konzertante Suite für Viola und Klavier).
Alexander Albrecht war eine Persönlichkeit mit tiefen Kenntnissen in Literatur, Kunstgeschichte und Recht. Er hatte eine enge Beziehung zur Natur als unerschöpflicher Inspirationsquelle künstlerischen Schaffens und Respekt vor den Werken des menschlichen Geistes. Sein umfangreiches literarisches und essayistisches Schaffen ist dokumentiert und zugänglich in der Publikation Albrecht, A.: Túžby a spomienky (Sehnsüchte und Erinnerungen). Hudobné centrum 2008. Diese Publikation enthält auch eine Studie über Alexander Albrecht aus der Feder von Vladimír Godár, der als Herausgeber des Buches fungierte.
1919 Bratislava – 1996 Bratislava

Ján Albrecht (1919 Bratislava – 1996 Bratislava) – Pädagoge, Musikwissenschaftler, Bratschist und Gründer des Ensembles Musica aeterna – erhielt die Grundlagen seiner musikalischen Ausbildung (Violinspiel) in der Kindheit bei Professor George Actardjief. Seine interpretatorischen Horizonte erweiterte er in früher Jugend durch das Mitwirken im häuslichen Quartett (Viola) und im Kirchenmusikverein (Violine).
1937 begann er das Bratschenspiel bei Professor Gabriel Paulíny am Konservatorium in Bratislava zu studieren. Nach dem Krieg trat er als Geiger und Bratschist ins Orchester des Slowakischen Nationaltheaters (SND) ein. Das Konservatorium schloss er 1950 ab, die VŠMU 1954 in der Bratschenklasse von Professor Rudolf Hofmann.
Schon während des Studiums begann sich Ján Albrecht (von Freunden und Familie Hansi genannt) nicht nur als Interpret zu profilieren, sondern auch als Persönlichkeit mit Interesse an der Reflexion künstlerischer und wissenschaftlicher Fragen, an Kunsttheorie und exakten Wissenschaften, sowie als Mensch mit der Gabe, Probleme der Ästhetik oder Mathematik aus einem besonderen Blickwinkel zu betrachten. Das belegen die handschriftlichen Texte Expressionismus und seine radikalistische Bewertung, Verallgemeinerung des Eulerschen Theorems der Binomialkoeffizienten oder Diskussionshefte zu einigen Fragen der Ästhetik u. a. Im Jahr 1957 veröffentlichte er das Hochschulskriptum Theoretische Grundlagen des Violinspiels. Die Mitte der 1950er Jahre kann als Beginn von Albrechts konzentriertem lebenslangem Interesse an bildender Kunst, Ästhetik und Musik gelten, das sich in handschriftlichen Texten, Studien, Essays, Rezensionen, Skripten, Büchern und redaktionellen Tätigkeiten niederschlug. Das „literarische“ Vermächtnis Ján Albrechts umfasst Hunderte Texte, die größtenteils auf Deutsch, aber auch auf Slowakisch und Englisch verfasst wurden.
Nach seinem Abgang aus dem Orchester des SND begann Ján Albrecht als Pädagoge zu wirken – in den Jahren 1955–1960 unterrichtete er am Lehrstuhl für Musikerziehung der Pädagogischen Hochschule in Bratislava, 1960–1967 am Lehrstuhl für Musikwissenschaft der Philosophischen Fakultät der Comenius-Universität, in den Jahren 1967–1982 am Lehrstuhl für Musikerziehung der Pädagogischen Fakultät der Comenius-Universität in Trnava und leitete parallel dazu die Kammermusikklasse an der VŠMU in Bratislava.
Parallel zu seinem „offiziellen“ pädagogischen Wirken gründete er zunächst die Kammervereinigung Collegium musicum, 1968 den Kreis der Freunde der Alten Musik, aus dessen Musizieren sich nach und nach Musica aeterna entwickelte – das erste Ensemble, das sich programmatisch der Wiederbelebung von Quellen der Alten Musik vorrangig aus dem Gebiet der heutigen Slowakei und Europas widmete.
In den siebziger Jahren veröffentlichte er die ersten Bände der Edition Fontes Musicae in Slovacia, das Skriptum Musikästhetik für Hörer der Pädagogischen Fakultät der Comenius-Universität, in den achtziger Jahren die Bücher Podoby a premeny barokovej hudby (Formen und Wandlungen der Barockmusik) und Eseje o umení (Essays über Kunst). Er leitete weiterhin das Ensemble Musica Aeterna, edierte Neuausgaben von Quellen der Alten Musik aus der Slowakei (Castor und Pollux), veröffentlichte Rezensionen, Studien, Essays und weitere Texte in der Fachpresse und „organisierte“ informelle künstlerische Zusammenkünfte in seinem Haus.
Nach seiner Pensionierung 1982 blieb er als Essayist, Redakteur, Musikwissenschaftler und Forscher im Bereich musikalischer Quellen aktiv und behielt seine Bratschen- und Kammermusikklasse an der VŠMU (bis 1989). Sein Haus auf der Kapitulská wurde zu einem noch stärkeren Anziehungspunkt für Studenten, Lehrer, bildende Künstler, Wissenschaftler, aktive Musiker, begeisterte Amateure – kurz für alle, die echtes Interesse an Kunst, Sozialwissenschaften oder Mathematik zeigten. Ján Albrecht schuf darin gemeinsam mit seiner Frau Viera eine Atmosphäre, die offen war für neue Gedanken, fundierte Diskussionen, kontroverse Debatten, aber auch für einfache freundschaftliche und gelegentlich auch bonvivante menschliche Begegnungen.
In den neunziger Jahren vollendete er das Manuskript des Buches Erinnerungen eines Pressburger Musikers, war Gastprofessor an der Universität Wien, bereitete das Buch Die Geisteswelt des Schönen für den Druck vor und setzte das Verfassen kürzerer Texte fort. In den Jahren 1992–1993 unterzog er sich anspruchsvollen Augen- und Herzoperationen, am 20. November 1996 verstarb er plötzlich im Garten seines Hauses auf der Kapitulská.
Das frühere Regime „dankte“ Ján Albrecht für seine lebenslange pädagogische Arbeit, die sich nie auf die im Stundenplan vorgesehene Zeit beschränkte, mit der lebenslangen Stelle eines wissenschaftlichen Assistenten. Man muss offen sagen, dass dieses Regime oft von seinen langjährigen Kollegen – Pädagogen – verkörpert wurde.
Eine verspätete Genugtuung für sein lebenslanges pädagogisches und musikwissenschaftliches Wirken (die Ján Albrecht nie eingefordert hatte) waren die ihm 1991 verliehene Dozentur, das Amt des Vorsitzenden der slowakischen Sektion der Europäischen Streichinstrumentenpädagogen-Vereinigung ESTA (1991), der Jozef-Kresánek-Preis des Slowakischen Musikfonds (1991) und die Professur aus dem Jahr 1995. Den Preis der Hauptstadt der Slowakischen Republik Bratislava erhielt er am 19. Dezember 1996 – einen Monat nach seinem Tod, in memoriam.
Die Familie Albrecht diente der Kunst, der Wissenschaft, der Bildung und Bratislava nachweislich über hundert Jahre lang (der Großvater Ján Albrechts – Johann – war Lehrer am Königlich Katholischen Ungarischen Gymnasium in der Klariská-Straße, später Direktor der deutschen Realschule in der Zochova-Straße). Mit dem Tod Ján Albrechts verstarb der letzte männliche Nachkomme der Bratislavaer Familie Albrecht.
Die Familie Ján Albrechts hatte weitverzweigte Wurzeln sowohl väterlicherseits, bei Alexander Albrecht, als auch mütterlicherseits, bei Margaréta Albrecht, geborene Fischer.
Alexanders Vater Johannes Albrecht (1852–1926), ein belesener und gebildeter Mensch, war Pädagoge am Pressburger katholischen Gymnasium (Gebäude des Klarissenklosters – heute Universitätsbibliothek), dann Direktor der Staatsrealschule (Gebäude der heutigen VŠMU in der Zochova-Straße), später Studienbezirksinspektor und schließlich Kustos des Städtischen Museums. Alexanders Mutter Mária (Mariska) Albrecht, geb. Vaszary (1864–1913), war eine Nichte des ungarischen Primas und Kardinals Kolos Vaszary. Die künstlerischen Neigungen der Familie Vaszary belegen die Berufe ihrer nächsten Verwandten – ihr Cousin János Vaszary (1867–1938) gehörte zu den bedeutenden Malern, ihr Neffe Gábor Vaszary (1897–1985) war Schriftsteller und Drehbuchautor, die Nichte Piri Vaszary (1901–1965) wiederum Schauspielerin.
Eine außergewöhnliche Gestalt aus der Familie Albrecht war auch Thomas Messer, der Sohn von Alexanders Schwester Agáta. Die Wirren des Krieges verschlugen ihn in die USA, wo er als Absolvent der Pariser Sorbonne nach und nach Direktor des Roswell Museums in New Mexico, Vorsitzender der American Federation of Arts, Direktor des Institute of Contemporary Art in Boston wurde und schließlich an der Spitze des Solomon-R.-Guggenheim-Museums in New York stand.

Die Herkunft von Alexanders Ehefrau Margaréta Fischer (1887–1985) erlaubt einen Einblick in die Genealogie mehrerer bedeutender Pressburger Bürgerfamilien – der Familien Fischer, Fröhlich, Jurenák und Lehner. Johann Fischer der Ältere, Mitglied des Pressburger Stadtrates und Kommerzialrat, wurde 1832 von Kaiser Franz I. für seine Verdienste um die Entwicklung des Handels in den Adelsstand erhoben. 1825 gründete er zusammen mit dem Arzt Michael Schönbauer in Pressburg eine Fabrik zur Herstellung von Champagner nach original französischem Rezept, mit der er 1867 auf der Weltausstellung in Paris eine Bronzemedaille gewann! Ihr Gründer war also nicht Ján Evangelista Hubert, wie bis vor Kurzem angenommen wurde. Dieser kaufte die Fabrik erst 1877 von Johann Fischer. Zwei Generationen der Fischers, Johann der Ältere und Johann der Jüngere, der Großvater von Margaréta Fischer, gehörten zu den vermögendsten, zugleich aber auch gesellschaftlich engagiertesten Familien der Stadt. Sie bekleideten hohe Funktionen im aufkeimenden Bankwesen, in der Industrie- und Handelskammer, aber auch in Wohltätigkeits- und Unterstützungsvereinen. Margarétas Vater – Johann der Jüngste (1841–1911) – diente in der k. u. k. österreichischen Armee, wofür ihm die silberne Erinnerungsmedaille verliehen wurde. Zivilberuflich war er Zollspediteur bei der Königlich Ungarischen Staatsbahn.
Die Mutter von Margaréta Albrecht (Fischer) stammte aus der Familie Jurenák. Diese ließ sich vor 1803 in Pressburg nieder, und obwohl sie anfangs nicht zu den vermögenden Familien gehörte, muss ihr Holzhandel erfolgreich gewesen sein. Das belegen die Porträts von Adam und Ludmilla Jurenák, die der bekannte österreichische Maler Johann Peter Kraft 1810 malte. Die Beauftragung solcher Werke bei einem Mitglied der Wiener Akademie und Professor für Historienmalerei war gewiss nicht billig. Die kinderreiche Familie Jurenák zeichnete sich durch Mut und das Streben nach Bildung und gesellschaftlicher Geltung aus – Jozef Jurenák (1809–1857) studierte Pharmazie in Paris und bereiste Europa, vor allem Großbritannien. Margarétas Großvater Anton Jurenák (1813–1896) unternahm eine Handelsreise durch Deutschland, Frankreich, England, Holland, Belgien, Preußen, die Schweiz, Italien, Griechenland, die Türkei und Russland. In den 1880er Jahren wird er in Adressbüchern als Eigentümer des Hauses in der Gröslingová Nr. 4 geführt, das den Hintereingang zum Jurenák-Palais bildet (heute Sitz des Ortsamtes Bratislava – Altstadt). Als Vertreter der 1. Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft setzte er als Erster einen in England für den Donauschiffsverkehr gebauten Dampfer ein. Sein jüngerer Bruder Karol war ein großer Bewunderer Richard Wagners, führte Korrespondenz mit Robert Volkmann (1815–1885), der ihm die 3. Serenade für Streichorchester widmete, und war mit Johannes Brahms befreundet, der Gast im Jurenák-Palais war, wo Familienkonzerte veranstaltet wurden.

Margaréta Albrechts (Fischer) Schwester Gertrúda heiratete Gustav Lehner. Ihr Sohn Eugen Lehner wurde Bratschist im weltberühmten Kolisch-Quartett, das die Uraufführungen des 3. und 4. Streichquartetts von Arnold Schönberg, der Lyrischen Suite von Berg, des Streichtrios und des Streichquartetts von Webern sowie des 6. Streichquartetts von Béla Bartók gab. Die Mitglieder des Kolisch-Quartetts studierten die Werke ausschließlich anhand der Partituren, nicht anhand der Einzelstimmen, spielten einzigartigerweise auswendig und wurden zu einigen der eingeweihtesten Fürsprecher der neuen Musik in den 1920er und 1930er Jahren. Nach der Flucht aus Europa vor dem Faschismus bewarb sich Eugen Lehner um eine Stelle in der Bratschengruppe des Boston Symphony Orchestra. Als Chefdirigent Sergei Kussewitzki ihn 1939 beim Vorspielen im BSO sah, nahm er ihn ohne Vorspiel auf – er erinnerte sich an ihn von der Aufführung der Lyrischen Suite Bergs zehn Jahre zuvor im deutschen Wiesbaden. Lehner spielte bis 1982 im BSO, wirkte parallel dazu zunächst im Stradivari Quartet, dann im Boston Fine Arts Quartet und bildete als Pädagoge am New England Conservatory Dutzende weltbekannte Kammermusiker aus.
Gebildete, feinfühlige und kultivierte Frauen waren schließlich Margaréta Albrecht (Fischer) und ihre Schwester Jeanny Fischer (1883–1970). Jeanny erhielt 1902 das Diplom des Pressburger Lehrerinnenseminars, heiratete nicht, war lebenslange Gefährtin der Familie Albrecht und lebte mit ihr in gemeinsamem Haushalt, zunächst in der Lodná-Straße und später in der Kapitulská Nr. 1. Alexanders Ehefrau Margaréta absolvierte 1910 das Lehrerinnenseminar, hatte bereits 1905 das Diplom einer Lehrerin für die Volksschule erworben, wurde später Hörerin der Philosophischen Fakultät der Königlich Ungarischen Akademie in Budapest und der Elisabeth-Universität in Pressburg. In den Jahren 1909 und 1910 besuchte sie Französischkurse in Genf und Paris. Alexander Albrecht heiratete sie am 28. April 1918. Trotz ihrer hervorragenden Bildung und Qualifikation unterrichtete sie weiterhin auf der untersten Bildungsstufe – an der deutschen Volksschule in der Zochova-Straße.
(Bearbeitet nach Studien von Zuzana Francová aus den Sammelbänden des Museums der Stadt Bratislava)
„Die Persönlichkeit Ján Albrechts zog Studenten an, die von seinem Geist, seinem Wissen in Musik und bildender Kunst, seinem allgemeinen Überblick und seinem Witz begeistert waren. Albrechts Herzlichkeit war mit der Schule nicht zufrieden, deshalb unterrichtete er zu Hause, wo er jeden mit Tee oder Kaffee in Porzellantassen bewirtete und die Unterrichtsstunde bei Bedarf verlängerte. Die Atmosphäre und die Rahmenbedingungen prägte mit seine Mutter, die alle Gréti néni nannten, und ab 1969 seine Frau Viera. Ebenso selbstlos machte er seine reiche Bibliothek zugänglich, zu der jeder Zutritt hatte, sogar in Abwesenheit des Hausherrn“…„Er hörte einem Studenten immer zu und diskutierte mit ihm auch über entferntere Themen, die für das Verständnis des Problems notwendig waren“…. „In der Gemeinschaft hielt er sich an den Grundsatz der qualitativen Hierarchie – wenn jemand etwas besser beherrscht als die anderen, soll er seine Fähigkeiten voll zur Geltung bringen. Ein universeller Wesenszug Albrechts war das Bestreben, den Sinn für Schönheit und Begeisterung zu wecken und auch in den pädagogischen Beziehungen Humor zu pflegen.“ (Veronika Bakičová: Musica aeterna & Ján Albrecht, AEPress, 2006)
Der Komponist Professor Ivan Parík beschreibt die Atmosphäre der Zusammenkünfte und die Anfänge von Hansis „Universität auf der Kapitulská“ folgendermaßen: „Nach der Messe (im Martinsdom) ging man ins Haus Albrecht, wo Menschlichkeit, Güte, Kultiviertheit, ein musikalisches und höchst intellektuelles Milieu sowie gegenseitiger Respekt zwischen Familie und Freunden herrschten. Dort wurde Toleranz gegenüber Meinungen gepflegt, es wurde Kammermusik gespielt, über Literatur und bildende Kunst gesprochen, es herrschte ein Geist des Verstehens und des Fragens ‚warum ist das so‘. Allmählich übernahm Hansi (nach seinem Vater Alexander) die führende Rolle, mit ihm wurden wir lebenslange Freunde“.
Das Musizieren war bei den Albrechts also nichts Importiertes, es war eine Lebensart. Hansis langjähriger Kammermusikpartner und Freund Ladislav Kupkovič sagt: „Hansi war verliebt in die Kammermusik, jederzeit bereit, dafür Stunden zu opfern, wichtig war jedoch, dass er dafür die Infrastruktur hatte. Die Albrechts hatten in ihren Schränken fast alle Noten, die überhaupt infrage kamen. Interessant, dass der sonst unordentliche Hansi bei den Noten stets absolute Ordnung hielt. Die Infrastruktur ging aber noch weiter, so gab es zum Beispiel immer genügend (sehr schöne) Notenpulte, seine Tante brachte immer etwas Kleines zu essen (Kammermusikabende dauerten manchmal die ganze Nacht!), und er wiederum – und darin war er wirklich ein Genie – braute den legendären und ausgezeichneten Tee.“
Vladimír Godár erinnert sich in dem zitierten Buch an Hansi und das Haus Albrecht als einen Ort, „an dem nicht nur die Liebe zur Musik gepflegt wurde, sondern vor allem die Liebe zum Leben in seinen vielfältigsten Formen. Wenn man uns in den Schulen beibrachte, Musik zu machen, so lernten wir bei Hansi, sie zu lieben“… „Hansi war ein janusköpfiges, vielgestaltiges Wesen, doch alle seine Erscheinungsformen verband ein dominierender Zug – die Güte des Herzens, die Ausdruck der Liebe war. Für diese Gabe der Liebe liebten ihn so viele Menschen, ihretwegen liebten sie die Räume seiner Wohnung, und um ihretwillen kamen sie zu ihm.“
Die Zitate stammen aus dem Buch von Veronika Bakičová: Musica aeterna & Ján Albrecht, AEPress, 2006